Wlach´s Welt!

Wlach´s Welt! Das neue Jahr hat begonnen. Und damit die Zeit der guten Vorsätze. Ich spreche jetzt nicht von den üblichen, sicherlich ehrlich gemeinten Plänen, dem eigenen Körper weniger Giftstoffe in Form von Alkohol oder Nikotin zuzuführen, die sich meistens schon in der luziden Stimmung des Neujahrsmorgens nach einer durchfeierten Silvesternacht als charmante Form des Selbstbetrugs erweisen. Sondern eher von den Vorsätzen, deren Umsetzung – ein kleines bisschen guten Willen vorausgesetzt – eigentlich gar kein Problem sein dürfte.

Zum Beispiel wünsche ich mir, dass die Hersteller von Automaten aller Art in diesem Januar 2019 den guten Vorsatz gefasst haben, in Zukunft nur noch solche Produkte zu konzipieren, herzustellen und auf die Menschheit loszulassen, die es einem durchschnittlichen Angehörigen der Spezies Mensch erlauben, dieselben erfolgreich zu bedienen (und von ihnen das Gewünschte zu erhalten), ohne zuvor ein mehrjähriges einschlägiges Hochschulstudium absolviert zu haben. Jeder, dem einmal das Unglück widerfahren ist, sich an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn ein beliebiges Ticket für eine Zugfahrt kaufen zu müssen, weiß, wovon ich spreche. Noch viel schlimmer ist es, wenn der Zufall es will, dass man von einem ausländischen Reisenden, der vielleicht bereits seit Stunden vor einem der erwähnten Automaten sein Dasein fristet, ohne auch nur in die Nähe eines erfolgreichen Fahrkartenkaufs vorgedrungen zu sein, um Rat gebeten wird.
Denn in fast 100 Prozent der Fälle endet diese selbstverständliche Hilfeleistung mit dem Geständnis, dass man trotz bester Kenntnisse der Landessprache und großer Vertrautheit mit den deutschen Gepflogenheiten zum einen und der Deutschen Bahn zum anderen nicht in der Lage ist, einen vermeintlich simplen Ticketverkaufsprozess durchzuführen. Ein echtes Armutszeugnis für das Land der Dichter, Denker, Ingenieure und Bastler.

Dass es auch anders geht, habe ich bei einem Aufenthalt in der schönen Universitätsstadt Bologna in der italienischen Emilia Romagna gelernt. In den dortigen Bussen gibt es Fahrkartenautomaten, die aussehen wie farbig lackierte Schuhkartons. Mit genau einer Taste, einem Schlitz für den Geldeinwurf und einem zweiten für die Ticketausgabe. Vermutlich sind diese Automaten auch nichts großartig anderes als farbig lackierte Schuhschachteln – aber sie tun das, wofür sie gebaut worden sind: Sie verkaufen Fahrkarten, genau eine Sorte zu einem fest definierten Preis. Sie fragen nicht nach dem Fahrtziel, sie wechseln kein Geld – und sie sind einfach wunderbar. Egal, ob man innerhalb Bolognas nur eine Haltestelle fahren will oder dreimal die großartige Innenstadt mit ihren Kirchen und Palazzi umrunden möchte – es kostet immer das Gleiche, und es funktioniert mit einem einzigen, kleinen, schmucklosen Ticket. Müßig zu erwähnen, dass diese fantastischen Automaten auch grundsätzlich und immer funktionieren, was man von ihren entfernten Verwandten in Deutschland nun wirklich nicht behaupten kann.

Dabei gab es auch hier bei uns durchaus einmal Hoffnung. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die Briefmarkenautomaten der Deutschen Post, des gelben Cousins der Deutschen Bahn, verweisen. Übersichtlich aufgebaut, klar strukturiert und bei Wind und Wetter einsatzbereit waren die kleinen Kerlchen – und damit eine wahre Freude für alle automatengestressten Zeitgenossen.

Leider ist davon nicht viel übriggeblieben. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, sind von den vier mir bekannten Briefmarkenautomaten in meiner Heimatstadt Duisburg zwei außer Betrieb. Einer wurde komplett abmontiert. Und der vierte weigert sich seit mehreren Wochen hartnäckig, 20-Cent-Stücke anzunehmen, was angesichts der gängigen Portogebühren der Post einen erfolgreichen Briefmarkenkauf praktisch unmöglich macht.

Also stelle ich mich neuerdings wieder in die Schlange am Schalter, um meine Briefmarken zu kaufen. Und träume dabei einen optimistischen Traum, in dem gute Vorsätze die Hauptrolle spielen.

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