Respekt MSV – aber blankes Entsetzen über einen Gipfel der Geldverschwendung

RaZi

In diesem Frühsommer bestimmten – wenn wir die unglaublichen Geschehnisse um die FIFA und den grandiosen Selbstdarsteller Josef Blatter einmal außer Acht lassen – zwei Themen die Gespräche an den Duisburger und den bundesweiten Theken: die wunderbare Rückkehr unserer geliebten Zebras und die unsägliche, ja ich möchte fast sagen, unverantwortliche Verschwendung unserer Steuergelder, nur damit es sich ein paar angebliche Weltenlenker im idyllischen Ellmau gemütlich machen können und die Welt via TV einen netten touristischen Blick auf das schöne Bayern und die Zugspitze werfen darf.

Gerne gestehe ich Ihnen zu, dass beide Ereignisse nicht 1:1 zusammen passen oder unmittelbar vergleichbar wären, aber immerhin: unbestreitbar ist, dass beide Ereignisse viele zehn-, ja hunderttausend Menschen bewegen.

Da sind zunächst einmal der MSV Duisburg, dem zwei historische Fakten nicht zu nehmen sind: Gründungsmitglied der Bundesliga und mit dem bundesweit positiv bewerteten Maskottchen Zebra Wegbereiter in diesem wichtigen Identifizierungs- und Marketing-Element.

Soweit die alten Kamellen. Aber viel erstaunlicher und bemerkenswerter ist, dass diese alte Fußball-Diva aus dem Malocher-Stadtteil Meiderich ganz aktuell bewiesen hat, welche Kraft, welcher unbändige Überlebenswillen in ihr und ihren Fans steckt: Nur zwei Jahre, nachdem der Verein wegen der Eitelkeiten und mangelnder Kompromiss-Bereitschaft einiger, allerdings wichtiger Akteure in die dritte Liga zwangsabsteigen musste, sind die Meidericher wieder da! Respekt dafür, MSV!

Möglich war das – einmal abgesehen von der extrem erfolgreichen Tätigkeit von Sportdirektor Ivica Grlic – nur durch den unermüdlichen, beharrlichen und sachkundigen Einsatz des Vorstandes rund um den Vorsitzenden und erfolgreichen Unternehmer Ingo Wald und durch das Geschäftsführer-Duo Peter Mohnhaupt und Bernd Maas, die beide – obwohl beileibe keine Duisburger – längst vom Zebra-Virus infiziert sind.

Es ist wirklich erstaunlich, wie diese Mannschaft – und diese Bezeichnung trifft absolut zu – zusammen mit den treuen Sponsoren, an der Spitze Schauinsland-Reisen, alle Klippen überwunden und die Zweitliga-Lizenz quasi ohne nennenswerte Auflagen bekommen hat. Wer so solide und realistisch arbeitet, dem traut man auch zu, den immer noch gigantischen Schuldenberg von mehreren Millionen Euro ab zu tragen. Das ist deutsche Wertarbeit.

Ein Bewertung, von der die politisch Verantwortlichen für den abstrusen G7-Gipfel in Bayern Lichtjahre entfernt sind: 140 (manche Beobachter sprechen von fast 300) Millionen Euro Kosten, fast 20000 (!) Polizisten – Zahlen, die Otto Normalbürger sprachlos zurücklassen.

Damit wir uns recht verstehen: Die Staatslenker der Welt müssen auch in Zeiten überhöhter Terror-Gefahr die Möglichkeit haben, sich gemeinsam aus zu tauschen. Aber bitte doch nicht zu einem Preis und Aufwand, der in keiner Weise zu rechtfertigen ist.

Nein, dieses Geld ist auf geradezu menschenverachtende Art verschwendet worden: Die Flüchtlinge im Mittelmeer, die vielen Zuwanderer in Zentral-Europa, aber auch die marode Ausstattung unserer Bildungs-Anstalten und unserer Straßen, die teilweise danieder liegende Infrastruktur der Städte (Moers hat für 100.000 Einwohner z.B. kein Stadtbad mehr!).

Kurzum: Das Geld fehlt im wahrscheinlich immer noch wohlhabendsten Land der Erde an allen Ecken und Enden. Aber jetzt wissen wir wenigstens, wo es ist. In und um Ellmau, wo es sich sieben Staatschefs gut gehen lassen, um hinterher uninteressante Absichtserklärung abzugeben.

„Varus, gib mir meine Legionen wieder“, rief Kaiser Augustus in tiefer Verzweiflung, als er von der historischen Niederlage seines Feldherrn 9n.Chr. im Teutoburger Wald erfuhr. Ich sage: „Liebe Kanzlerin, wenn wir für so ein Wochenend-Meeting so viel Kohle haben, möchte ich, dass sofort dieselbe Summe in die notleidenden Städte an der Ruhr fließt, die seit Jahrzehnten vom Bund und den anderen Ländern ausgebeutet werden.
Polemisch? Möglich, aber vielleicht klagt ja mal einer unserer gelehrten Verfassungsrechtler gegen diese Geldverbrennung – auf das Urteil wäre ich jedenfalls sehr gespannt.

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